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Ausgabe 5Sport ist Mord

DIE GESCHICHTE DER HUNGERSPIELE

Vom Affengehege bis zum Luxusloft

Während der Tod bei vielen fantastischen Turnieren und Spielen nur eine traurige Begleiterscheinung ist, man möge nur an den tragischen Ausgang des trimagischen Turniers denken, nimmt er bei den Hungerspielen die zentrale Rolle ein. Diese tödlichen Spiele bilden den Mittelpunkt der dystopischen Roman- und gleichnamigen Filmreihe, Die Tribute von Panem, der Schriftstellerin Suzanne Collins. Panem wurde aus den Trümmern Nordamerikas errichtet und besteht aus 13 Distrikten und dem Kapitol, der Hauptstadt des Landes. Inmitten dieses postapokalyptischen Amerikas lebt die jugendliche Protagonistin des Werkes, Katniss Everdeen, eine begnadete Bogenschützin, die sich freiwillig als Kandidatin der 74. Hungerspiele (im ersten Teil der Reihe) meldet.

Doch was genau sind nun eigentlich diese Hungerspiele, bei denen sich alles um das gegenseitige Töten zu drehen scheint? Wie laufen sie ab? Und wer kam überhaupt auf die irrwitzige Idee, das sich Jugendliche und Kinder in einem alljährlichen Event bekämpfen und umbringen sollen? Diesen Fragen wollen wir heute nachgehen.

Die Welt, wie wir sie kennen, war durch Kriege und Katastrophen zerstört und aus der Asche bildete sich Panem, ein Land, das von einer tyrannischen Elite, dem Kapitol, regiert wurde. 73 Jahre bevor die Handlung aus der bekannten Trilogie stattfand, erhoben sich die 13 Distrikte gegen das Kapitol, jedoch ohne Erfolg. Als Machtdemonstration und Zeichen der Unterdrückung zerstörte das Kapitol nach der gescheiterten Revolution den 13. Distrikt und rief zugleich die Hungerspiele ins Leben. Ein jährlich stattfindender Wettkampf, bei denen Jungen und Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die sogenannten Tribute, sich in einer Arena bis zum Tode bekämpfen müssen.

Aus den Büchern und Filmen kennen wir diese Spiele als ein großes Spektakel, das ähnlich einer Fernsehshow in ganz Panem ausgestrahlt und von mehreren Millionen Zuschauer*innen verfolgt wird. Doch diesen perfiden Castingshow-Charakter besaßen die Hungerspiele nicht immer, wie wir seit dem 2020 erschienen vierten Band der dystopischen Reihe wissen. Das Prequel mit dem Namen Das Lied von Vogel und Schlange ist zeitlich vor den ersten drei Bänden angesiedelt. Der Protagonist des Buches ist der 18-jährige Coriolanus Snow, der spätere Präsident Panems. Dieser fungiert als einer von 24 Studierenden der Akademie des Kapitols als Mentor der 10. Hungerspiele. Snow wird Lucy Gray Bird zugeteilt, ein Mädchen, das genau wie Katniss Everdeen aus dem 12. Distrikt stammt. Lucy erfährt während ihres Aufenthaltes im Kapitol jedoch nicht die komfortable Behandlung, die den Aufenthalt der Tribute der 74. Hungerspiele prägte. Statt in einem luxuriösen Loft untergebracht zu sein und leckere Häppchen von Silbertellern zu speisen, wird Lucy zusammen mit den anderen Tributen in einem Affengehege des Zoos gefangen gehalten.

Diese zooartige Zurschaustellung erinnert stark an die Blütezeit der Völkerschau in Europa, zu der außereuropäische Menschengruppen auf eine ähnliche Weise vorgeführt wurden. Diese menschenunwürdige Unterbringung lässt erahnen, in welchem Stadium sich die Spiele zu dieser Zeit noch befanden. Sie sind noch nicht das medienwirksame Event, sondern besitzen den Charakter einer reinen Strafaktion, bei der die Tribute wie Tiere betrachtet und behandelt werden. Dies ändert sich erst, als Coriolanus das Amt des Spielemachers übernimmt und als solcher einige neue Ideen für die Hungerspiele einbringt, wie zum Beispiel die Nahrungsmittelgewinne für den Siegerdistrikt sowie das Siegerdorf und das Preisgeld für die Gewinner*innen der Hungerspiele.

Doch der grobe Ablauf der Hungerspiele, so wie wir ihn aus den Filmen und Büchern kennen, hatte schon damals Bestand. Alles beginnt mit der Ernte-Zeremonie. Jeder der zwölf Distrikte Panems muss je ein Mädchen und einen Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren für die Teilnahme an den Spielen stellen – die Tribute der Distrikte. Dazu wird am Tag der Ernte aus zwei großen Glaskugeln je eine Kugel mit einem Loszettel für die Jungen und Mädchen gezogen. Jedes Kind ist perspektivisch mit mehreren Kugeln in den Behältern vertreten, denn jedes Jahr kommt ein weiterer Zettel mit dem Namen des Kindes hinzu. Dies geschieht solange, bis es altersmäßig nicht mehr berechtigt ist, an den Spielen teilzunehmen. Zudem haben die Kinder die Möglichkeit, ihren Namen zusätzlich in die Auslosung wandern zu lassen. So erhöht sich zwar die Wahrscheinlichkeit, bei der Ernte gezogen zu werden, doch erhalten die Kinder dafür Essensrationen, die besonders in den ärmeren Distrikten Leben retten können.

Hin und wieder wird eine Auslosung auch obsolet, wenn sich ein Junge oder ein Mädchen freiwillig als Tribut meldet – dies kommt besonders häufig in den Distrikten 1 und 2 vor. Nach dem Erntefest reisen die 24 Tribute ins Kapitol. Dort bekommen sie Stylisten und Mentoren gestellt, die sie auf Showauftritte vorbereiten, in denen die Tribute erstmals um die Gunst des Publikums kämpfen. Anschließend werden die Kinder und Jugendlichen in eine riesige Freiluftarena eingesperrt, bei der es sich um jede Art von Gelände handeln kann, vom tropischen Urwald bis zu eisiger Ödnis.

Über mehrere Wochen hinweg müssen sie einander nun bis zum Tode bekämpfen. Dabei wird alles mit versteckten Kameras aufgezeichnet und live ins Kapitol sowie in alle Distrikte übertragen. Dem Kapitol dient diese Realityshow als Unterhaltungsprogramm, für die Distrikte stellt es nur eine weitere Form der Pein dar. Der Tribut, welcher zum Schluss übrig bleibt, ist der Sieger oder die Siegerin der Spiele. Die einzige Ausnahme bildeten die 74. Hungerspiele, bei denen Katniss Everdeen und Peeta Mellark wegen ihres gemeinsamen Suizidvorhabens die Spiele zusammen gewannen. Nach ihrem Sieg haben die überlebenden Tribute die Aufgabe die neuen Kandidat*innen für die kommenden Spiele zu betreuen.

Alle 25 Jahre stehen die Jubel-Jubiläen an, zu denen besondere Hungerspiele veranstaltet werden. Im ersten Jubel-Jubiläum mussten die Distrikte selbst ihre Tribute wählen. Im zweiten wurden jeweils vier Tribute in die Arena geschickt, um die Menschen daran zu erinnern, dass auf zwei getötete Bewohner*innen des Kapitols vier von den jeweiligen Distrikten kommen.

Insgesamt starben durch dieses jährliche Event 1743 Menschen. Die 76. Hungerspiele (in Band 3) sollten die letzten sein und eine symbolische Befreiung der Distrikte und zugleich eine Bestrafung des Kapitols darstellen. Dazu sollten die Tribute ausschließlich Kinder des Kapitols sein. Ob es dazu wirklich kam, ist fraglich. Warum? Das könnt ihr im letzten Band der Trilogie nachlesen.

Julia ist die Ambivalenz auf zwei Beinen. Sie lebt einerseits mit Dinosauriern und Shakespeare in der Vergangenheit, ihr (seit drei Jahren) fast vollendeter Debüt-Roman spielt jedoch in der Zukunft. Sie wollte eigentlich etwas "Sicheres" studieren und ist jetzt blöderweise im Journalismus gelandet. Dort ist sie ganz nebenbei Mate-abhängig geworden und mit ihrer Tastatur verwachsen.

Quelle
Collins, Suzanne (2009-2020): Die Tribute von PanemRoss, Gary; Lawrence, Francis (2012-2015): Die Tribute von Panem

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