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Ausgabe 2Wirsipedia

DIE ISTARI

Die Zauberer von Mittelerde

Als Istari werden in Tolkiens Welt die Mitglieder einer Gruppe von Zauberern bezeichnet, die im Dritten Zeitalter nach Mittelerde kamen, um den freien Völkern im Kampf gegen Sauron beizustehen.

Als dunkler Herrscher verbreitete Sauron im Zweiten und Dritten Zeitalter Furcht und Schrecken in Mittelerde und verfolgte das Ziel, die freien Länder zu unterwerfen. Dies sollte vor allem mithilfe des Einen Ringes geschehen, einem magischen Gegenstand, der an Saurons Geist gebunden war und ihm unermessliche Kräfte zuteil werden ließ. Die Inschrift des Ringes verdeutlichte die Ambitionen des finsteren Tyrannen:

„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“

Tolkien, J. R. R. (1954/1955): Der Herr der Ringe.

Die Valar – übernatürliche Geistwesen, die in den Unsterblichen Landen lebten – entsandten ungefähr im Jahr 1000 des Dritten Zeitalters einige ihrer Diener nach Mittelerde, um die freien Völker im Kampf gegen das Böse zu unterstützen. Diese Gruppe waren die Istari (übersetzt: Diejenigen, die wissen), die wie Sauron zum Volk der Maiar gehörten; ebenfalls transzendenten Wesen, allerdings von niedrigerem Rang als die Valar und meist als deren Gefolge agierend. In Mittelerde traten die Istari in der Gestalt von alten Männern in Erscheinung und wurden aufgrund ihrer übernatürlichen Fähigkeiten als mächtige Zauberer und weise Berater bekannt. Charakteristisch waren ihre mannshohen Zauberstäbe und die langen Kutten, die sie trugen. Trotz ihres menschlichen Aussehens alterten sie kaum in den rund 2000 Jahren, in denen sie in Mittelerde weilten; jedoch waren sie nicht unsterblich.

Das ursprünglich ranghöchste Mitglied der Istari war Saruman der Weiße. Sein Maiar-Name war Curumo (der Geschickte), von den Elben wurde er Curunír (Mann der schlauen Pläne) genannt. Er war für seine Weisheit und mannigfaltigen Kenntnisse, aber auch für seine hochmütige und missgünstige Art bekannt. Seine Stimme war von starker Zauberkraft erfüllt, wodurch er andere nur mit Worten beeindrucken und manipulieren konnte, selbst den ranghöchsten Diener Saurons, den Hexenkönig von Angmar. Saruman wurde zum Oberhaupt des Weißen Rates gewählt, einem diplomatischen Gremium bestehend aus Gandalf, einflussreichen Elben wie Galadriel und Elrond sowie ihm selbst. Sein Wohnsitz war im späten Dritten Zeitalter die alte gondorische Festung Isengart samt dem darin befindlichen Turm Orthanc.

Saruman war seit jeher wissbegierig und bereits früh begann er, nach Macht und Einfluss zu streben. Bei seinen Nachforschungen kam er zu der Erkenntnis, dass kein Wesen Sauron besiegen könnte und schon bald beneidete Saruman den dunklen Herrscher um dessen Stärke. Er verfolgte den Plan, mithilfe des Einen Ringes Sauron ebenbürtig zu werden, ihn so zu bezwingen und schließlich Mittelerde selbst nach seinen Vorstellungen zu beherrschen. Hinzu kam eine wachsende einseitige Rivalität gegenüber dem Ordensmitglied Gandalf, da er ihm dessen Beliebtheit unter den Völkern Mittelerdes nicht gönnte.

Diese Entwicklungen resultierten schließlich im Verrat Sarumans. Anders als von ihm geplant, geriet er unter den Einfluss Saurons und wurde zu seinem mächtigsten Handlanger im Kampf gegen die freien Völker. Im Ringkrieg entsandte er ein gigantisches Uruk-Heer nach Helms Klamm, erlitt dort allerdings eine vernichtende Niederlage. Nachdem ihn Gandalf anschließend aus dem Istari-Orden verbannt und seiner Macht beraubt hatte, wurde der gefallene Zauberer von seinem einstigen Diener Gríma Schlangenzunge ermordet.

Die Veränderung Sarumans zum Bösen vollzog sich auch äußerlich. Zunächst wurde er als stattlicher und vornehmer Mann mit rabenschwarzem Haar und einem schneeweißen Mantel beschrieben. Nach seinem Gesinnungswandel waren seine Augen dunkel, sein Haar weiß und sein Umhang schimmerte in vielen diffusen Farbtönen, wenn er sich bewegte.

Gandalf der Graue wurde als zweiteinflussreichstes Mitglied der Istari nach Mittelerde entsandt, übernahm jedoch nach Sarumans Untergang dessen Führungsposition. In den Unsterblichen Landen nannte er sich Olorín (evtl. Traum/Phantasie), in Mittelerde erhielt er viele Namen, wie zum Beispiel Mithrandir (Grauer Pilger) bei den Elben und Menschen oder Tharkûn (Mann mit Stab) bei den Zwergen.

Gandalf galt als äußerst weise sowie einfühlsam. Er trat stets als Freund der freien Völker auf und stand ihnen in diplomatischer Funktion mit Rat und Tat zur Seite. Besondere Zuneigung empfand er für die Hobbits aus dem Auenland. Gandalf trug maßgeblich zur Rückeroberung des Zwergenreiches Erebor unter der Führung Thorin Eichenschilds bei, schützte Frodo Beutlin, als der Ringträger ins Visier Saurons geriet und führte die Gefährten von Bruchtal bis nach Moria, wo er jedoch im Kampf gegen den vermeintlich letzten Balrog fiel, auch wenn er den uralten Dämon (wie Gandalf ebenfalls ein Maia) dabei besiegen konnte.

Von Eru Ilúvatar, dem Schöpfergott, wurde er allerdings zurück ins Leben geschickt und fortan kämpfte er als Gandalf der Weiße und mächtigster Istari gegen das Böse. Großen Anteil hatte er sowohl am Sieg in der Schlacht um Helms Klamm gegen Sarumans Heer als auch an der erfolgreichen Verteidigung Minas Tiriths gegen die Armeen Saurons aus Mordor. Ebenso die Krönung Aragorns zum rechtmäßigen König von Gondor wurde wesentlich von Gandalf beeinflusst. Somit spielte der Zauberer eine enorm große Rolle bei Saurons Niederlage.

Gandalf war sowohl ein mächtiger Magier als auch auch ein hervorragender Schwertkämpfer. In der Schlacht führte er das legendäre Schwert Glamdring, welches einst dem elbischen Hochkönig von Gondolin gehörte. Durch seinen Stab und Narya, den Ring des Feuers, den er trug, konnte er nicht nur den Balrog von Moria bezwingen, sondern war auch dem gefürchteten Hexenkönig von Angmar ebenbürtig.

Der dritte Istar war Radagast der Braune. Sein ursprünglicher Name war Aiwendil (Vogelfreund). Anders als Gandalf und Saruman interessierte er sich weniger für die Belange der Elben, Menschen und Zwerge, sondern fühlte sich vor allem der Natur sowie den Tieren und Vögeln verbunden. Diese überschwängliche Zuneigung zur Flora und Fauna missfiel Saruman seit jeher, weswegen der oberste Istari den Braunen Zauberer sehr gering schätzte.

Radagast lebte für die meiste Zeit des Dritten Zeitalters abgeschottet in der Wildnis, unter anderem in Rhosgobel im Düsterwald. Seine Naturverbundenheit machte er sich auf vielerlei Weisen zu Nutze. So unterstützten ihn vor allem Vögel als Kundschafter und Boten, er war ein hervorragender Kräuter- und Heilkundler und beherrschte womöglich die Gabe der Gestaltwandlung. Dennoch hatte Radagast kaum einen Einfluss auf den Ringkrieg und den Untergang Saurons und anders als Gandalf kehrte er am Ende des Dritten Zeitalters nicht in seine alte Heimat, die Unsterblichen Lande, zurück. Möglicherweise sahen die Valar den Auftrag Radagasts als gescheitert an; oder aber der Braune Zauberer entschied sich freiwillig, aufgrund seiner Vorliebe für die heimischen Tiere und Pflanzen, in Mittelerde zu bleiben.

Die fünf Istari: Saruman (Mitte), flankiert von Radagast (links) und Gandalf (rechts) sowie Alatar und Pallando (außen)

Die letzten beiden Istari waren die Blauen Zauberer, auch Ithryn Luin genannt. Sie trugen die Namen Alatar und Pallando. Diese Ordensmitglieder waren nicht nur relativ unbekannt, sondern auch äußerst mysteriös, da niemand mit Sicherheit sagen kann, was mit ihnen geschah. Nach ihrer Ankunft in Mittelerde reisten sie in die entlegenen Gebiete des Ostens und Südens, aus denen sie nie zurückkehrten. Die Länder dieser Regionen – Rhûn, Khand und Harad – wurden seit jeher von Menschen bewohnt, die Sauron dienten und ihm mitunter als Gott huldigten.

Tolkien selbst stellte im Laufe der Zeit zwei gegensätzliche Vermutungen über das Schicksal von Alatar und Pallando an. Die erste Möglichkeit legt das Scheitern der Blauen Zauberer zugrunde. So könnten sie unter den Einfluss Saurons geraten und vom Bösen korrumpiert worden sein (laut Nachrichten aus Mittelerde). Allerdings spricht gegen diese Variante, dass beide während des Ringkriegs nicht als Diener des dunklen Herrschers in Erscheinung traten.

Wahrscheinlicher, im Falle des Versagens, wäre folgendes Szenario (laut Tolkiens Brief Nr. 211 an Rhona Beare): Demnach gingen die Ithryn Luin als „Sendboten in ferne Gegenden“; „als Missionare in die vom Feind besetzten Länder“. Allerdings seien sie dort an ihrer Aufgabe gescheitert und wurden stattdessen „zu Urhebern oder Begründern geheimer Kulte und ‚magischer‘ Traditionen, die den Sturz Saurons überdauerten.“ Mutmaßlich wären sie in den entlegenen Ländern Mittelerdes aufgrund ihrer Zauberkräfte von den dortigen Menschen als übernatürliche Wesen oder gar Götter verehrt wurden. Oder aber sie nutzten ihre Magie für okkulte Rituale, aus denen sich spirituelle Sekten entwickelt haben.

Eine spätere Version von Tolkiens Aussagen geht allerdings vom Erfolg der Blauen Zauberer aus (laut The Peoples of Middle-earth). Ihre alternativen Namen Morinehtar (Bezwinger der Dunkelheit) und Rómestámo (Ost-Helfer) unterstützen diese Vermutung. So läge es im Bereich des Möglichen, dass Alatar und Pallando einige der Völker des Ostens und Südens beim Widerstand gegen Sauron unterstützten, woraufhin der dunkle Herrscher einen Teil seiner Streitkräfte verlor. Für diese Möglichkeit spräche erstens, dass die Zahl der Menschen in Saurons Dienst während des Ringkriegs, gemessen an den kontrollierten Ländereien, viel größer hätte sein müssen als jene der freien Völker. Die Menschen des Ostens und Südens hätten Gondor und Rohan überrennen müssen. Da dies nicht der Fall war, müssen ihre Heere zuvor dezimiert worden sein, eventuell durch die Handlungen Alatars und Pallandos.

Zweitens kam es im Dritten Zeitalter zu Kriegen zwischen den eigentlich unter Saurons Oberherrschaft stehenden Wagenfahrern, Variags und Haradrim. Dieser Konflikt der normalerweise verbündeten Feinde der freien Völker könnte möglicherweise durch die Blauen Zauberer initiiert worden sein. Somit hätten die Ithryn Luin im Endeffekt einen großen Einfluss auf den positiven Verlauf des Ringkriegs gehabt, doch bleibt diese Spekulation für immer ein Mysterium.

Christopher stammt von den Hängen des Erzgebirges, suchte jedoch beizeiten das Abenteuer in der großen Stadt. Seit Kindertagen interessiert er sich für die Länder, Kulturen und Sprachen dieser und anderer Welten. Heraus kamen ein Ethnologie-Studium in Leipzig, die Begeisterung für Tolkiens Werke und ein Plüsch-Chewbacca auf der Couch.

Quelle
Tolkien, J. R. R. (1954/1955): Der Herr der RingeTolkien, J. R. R. (1937): Der HobbitTolkien, J. R. R.; Tolkien C. (1977): Das SilmarillionTolkien, J. R. R.; Tolkien, C. (1980): Nachrichten aus MittelerdeTolkien, J. R. R.; Tolkien, C. (1983-1996): The History of Middle-earthTolkien, J. R. R.; Carpenter, H. (1981): The Letters of J. R. R. Tolkien

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