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Ausgabe 3Editorial

EDITORIAL

Der Westen – fortschrittlich, industriell und modern. Der Osten – geheimnisvoll, spirituell und mysteriös. Der Süden – paradiesisch, exotisch und wild. Ist euch schon mal aufgefallen, dass auch heutzutage die vier Himmelsrichtungen noch immer mit überladenen Klischees und teilweise verunglimpfenden Stereotypen charakterisiert werden? Jedem fallen doch sicherlich eine Handvoll derartiger Zuschreibungen ein, wenn Wortgruppen wie Westliche Welt, Ferner Osten oder Südsee fallen. Und was ist mit dem Norden?

Auch diese Himmelsrichtung bleibt nicht von solchen Assoziationen verschont. Als durchschnittlicher Europäer denkt man wohl an Schnee, Kälte oder Abgeschiedenheit, wahrscheinlich auch an Wikinger und alte Götter. Und wenn man den Norden mit ähnlichen Attributen wie eingangs seine drei Artgenossen kategorisieren möchte, wären rau und unwirtlich, wohl aber auch traumhaft und mythisch ganz weit vorn. Das Bild von unberührt-urgewaltigen Landschaften, bärtig-barbarischen Nordmännern und episch-mythologischen Sagen können sicherlich viele auf Anhieb vor ihr geistiges Auge projizieren.

Dieser Mythos vom Norden hat sich aus der wirklichen Welt auch in unzählige Universen der Belletristik und Popkultur eingeschlichen. Die TV-Serie Vikings versuchte größtenteils historisch akkurat zu sein, konnte es sich aber auch nicht ganz verkneifen, ein Wikinger-Image zu entwerfen, welches zwar brutal, aber etwas hipper als die historische Realität ist. Bei Game of Thrones ist der Norden einerseits nicht nur ein hartes Pflaster und Ursprung des mystischen Bösen, sondern wird andererseits fast schon als Fanliebling personifiziert. Die Superheldenschmiede von Marvel adaptiert comicartig die Legenden und Sagen, Helden und Schurken der altehrwürdigen nordischen Mythologie rund um Asgard, Thor und Loki. Skyrim, His Dark Materials, Narnia und so weiter und so fort.

In unserer dritten Ausgabe wollen wir der Frage auf den Grund gehen, was es mit diesem Mythos Norden auf sich hat. Die eben erwähnten Beispiele vom Fantasy-Klassiker bis zum Superheldenfilm, aber auch jene aus der realen Geschichte, wollen wir genauer unter die Lupe nehmen. Wie genau entstand das stereotype Bild des Nordens und wie wurde es in die Popkultur transferiert? Wie nah liegen Thor, der Avenger, und Thor, der Gott, beieinander? Und um jenes Werk zu ehren, durch welches uns der Norden in den letzten Jahren besonders ans Herz gewachsen ist, gehen wir der Frage auf den Grund, weshalb Game of Thrones so populär ist und wie es die Grenzen der klassischen Fantasy sprengt.

Ein wesentlicher Teil dieser Wirsing-Ausgabe wird sich mit der nordischen Mythologie sowie der skandinavischen Folklore und deren Querverbindungen zu Literatur und Film drehen. Fantastische Fabelwesen, die traditionelle Portion Kulinarik und ein Reisebericht zwischen den Welten dürfen dabei nicht fehlen. Außerdem zeigen wir, dass nicht alle furchtlosen Krieger des Nordens bärtig und männlich sein müssen und erfahren durch ein märchenhaftes Beispiel aus Island, wie Mythologie und Moderne aufeinander treffen können. Also, packt die Schneemäntel und Kriegshämmer ein (um bei den Klischees zu bleiben) und los geht’s!

Wagt gemeinsam mit uns die Reise in den mythischen Norden.

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