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Ausgabe 7Was wäre wenn?

JURASSIC WORLD IN REALITÄT?

Was wäre, wenn die Dinosaurier nie ausgestorben wären

Der jüngst erschiene Film Jurassic World: Ein neues Zeitalter zeigt eine Welt, in der Dinosaurier und Menschen gezwungenermaßen koexistieren. Nachdem in den vorangegangen Teilen des Kult-Franchises das Konzept eines Dino-Vergnügungsparks mehrfach grandios scheiterte, streifen die faszinierenden Urzeitechsen nun frei über unsere Erde. Doch habt ihr euch beim Schauen auch gefragt, wie die Welt wohl aussähe, wenn die Urzeitechsen tatsächlich noch existieren würden und nie ausgestorben wären? Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge liegen möglicherweise nur 30 Sekunden zwischen diesem Szenario und unserer Realität.

Vor rund 66 Millionen Jahren veränderte der Einschlag eines Asteroiden die Erdgeschichte nachhaltig. Jener schicksalhafte Himmelskörper maß schätzungsweise 14 Kilometer im Durchmesser und traf mit einer Geschwindigkeit von rund 72.000 Stundenkilometern auf die Oberfläche unseres Planeten. Der Ort des Impakts, der Chicxulub-Krater, befindet sich am Nordrand der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko. Damals war diese Gegend von einem seichten Tropenmeer bedeckt.

Die Aufprallexplosion, ungefähr vergleichbar mit 200 Hiroshima-Bomben, erzeugte Megatsunamis, welche das direkte Umfeld massiv verwüsteten. Flächenbrände, Erdbeben und Druckwellen ungeahnten Ausmaßes breiteten sich blitzartig aus. Aufgrund der niedrigen Wassertiefe an der Einschlagstelle und dem steilen Aufprallwinkel des Asteroiden wurden jedoch auch Unmengen an Gestein kilometerweit in die Lüfte geschleudert. Viele kleinere Partikel verblieben in der Atmosphäre und verteilten sich binnen weniger Tage um den gesamten Globus. Der Anteil an Staub und Ruß war so enorm (Schätzungen gehen von rund 100 Milliarden Tonnen aus), dass ein Großteil des Sonnenlichts monatelang absorbiert wurde und die Erdoberfläche nicht mehr erreichte. Die Temperaturen fielen drastisch um bis zu 26° C, photosynthetische Prozesse kamen zum Erliegen, Pflanzen verdorrten, Tiere verloren ihre Nahrungsgrundlage und schließlich gingen etwa 75 % aller damals existierenden Arten an den Folgen des Einschlags zugrunde. Die prominentesten Opfer dieses apokalyptischen Ereignisses waren die Dinosaurier. Der globale Impaktwinter hatte dabei einen wesentlich größeren Einfluss auf das Massenaussterben als die unmittelbaren Katastrophen wie Flutwellen oder Feuersbrünste. Um ein Haar hätte jedoch der dramatische Kälteeinbruch nicht in diesem Ausmaß stattgefunden.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Die renommierten Geophysiker:innen Joanna Morgan vom Imperial College London und Sean Gulick von der University of Texas in Austin haben sich in ihrer Forschung ausgiebig mit den geologischen Prozessen und Umwelteffekten des Chicxulub-Einschlags befasst. Sie kamen zu der Ansicht, dass der Himmelskörper unsere Erde unter äußerst ungünstigen Parametern getroffen hat. Diese Umstände führten zur eingangs beschriebenen Verkettung von Katastrophen, die den Dinosauriern und anderen Lebensformen schließlich zum Verhängnis wurde.

Wäre der Asteroid nur 30 Sekunden früher oder später auf die Erde getroffen, hätte dies möglicherweise einen gewaltigen Unterschied gemacht, so Morgan und Gulick. Ein Überblick über das Szenario: Der Himmelskörper schlägt nicht in flaches Küstengewässer ein, sondern in den umliegenden, wesentlich tieferen Ozean. Millionen Liter Wasser verdunsten und es breiten sich gigantische Tsunamis aus, die nahegelegene Landmassen verwüsten. Die Wucht des Aufpralls verursacht lokale Erdbeben und Flächenbrände. Was nicht geschieht, ist die Injektion großer Mengen an Staub, Asche und Ruß in die Atmosphäre. An der Sonneneinstrahlung ändert sich wenig bis gar nichts, demnach kommt es zu keinem globalen Winter und die Biosphäre unseres Planeten besteht fort. Der Naturkatastrophe fallen zwar unzählige Individuen zum Opfer, jedoch sterben keine ganzen Tierarten aus. Laut Morgan und Gulick liegt es im Bereich des Wahrscheinlichen, dass die Dinosaurier den Einschlag des Asteroiden überlebt hätten, wenn dieser nur eine halbe Minute früher oder später stattgefunden hätte.

Koexistenz oder kein Platz für zwei Alpha-Spezies?

Was wäre nun aber die Konsequenz dieses kontrafaktischen Szenarios? Darüber lässt sich nur spekulieren. In den Filmen der Jurassic-Park-Reihe sehen wir, dass sich das Zusammenleben zwischen Dinosaurier und Mensch eher kompliziert gestaltet, was nur allzu logisch erscheint. Beide Spezies sind es gewohnt, an der Spitze aller Lebensformen zu stehen und andere Arten zu dominieren. Jedoch wurden in dem weltberühmten Franchise die Urzeitechsen durch wissenschaftliche Experimente und zum Zweck einer Vergnügungsparkattraktion zurück ins Leben geholt. Von authentischen Dinosauriern oder einem natürlichen Gefüge zwischen den Arten kann daher kaum die Rede sein.

Ganz anders sähe es aus, wenn die prähistorischen Reptilien durch den Chicxulub-Asteroiden nicht ausgelöscht und somit nie ausgestorben wären. Denn das Schicksal der Dinosaurier ist enger mit dem der Menschheit verwoben, als man vermuten würde. Morgan und Gulick postulieren, dass das Verschwinden dieser dominanten Spezies die Entwicklung von Säugetieren maßgeblich begünstigt oder überhaupt erst im bekannten Umfang ermöglicht hat. Würden Dinosaurier bis heute existieren, hätten Säugetiere, und somit auch der Mensch, nie eine solch übergeordnete Stellung einnehmen können, wie es aktuell der Fall ist. Zu einer Koexistenz zweier dominanter Spezies, wie wir es aus Jurassic World kennen, wäre es höchstwahrscheinlich nicht gekommen. Denn die Säugetiere haben jene Lücke gefüllt, welche durch das Aussterben der Dinosaurier überhaupt erst entstanden ist.

Und so müssen wir Menschen, trotz aller ehrfürchtigen Bewunderung für die Urzeitechsen, wohl eher dankbar sein für die ungünstigen Umstände, unter denen ein gewisser Asteroid vor rund 66 Millionen Jahren unseren Planeten traf. Denn ohne die dunkelste Stunde der Dinosaurier gäbe es uns eventuell gar nicht.

Christopher stammt von den Hängen des Erzgebirges, suchte jedoch beizeiten das Abenteuer in der großen Stadt. Seit Kindertagen interessiert er sich für die Länder, Kulturen und Sprachen dieser und anderer Welten. Heraus kamen ein Ethnologie-Studium in Leipzig, die Begeisterung für Tolkiens Werke und ein Plüsch-Chewbacca auf der Couch.

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