fbpx
Ausgabe 6Flag Fact

KOMMT SPOCK AUS MITTELAMERIKA?

Die Geschichte der Vulkanwappen

Das Raumschiff Enterprise, die Klingonen, Captain Kirk – mit Star Trek kann so ziemlich jeder etwas anfangen. Für den popkulturellen Schirmherr der Flaggenkunde – Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory – zählt eine Figur aus dem Science-Fiction-Franchise sogar zu seinen größten Idolen. Die Rede ist von Spock, dem Wissenschaftsoffizier der Enterprise. Doch Spock ist nicht nur als Mitglied der wohl bekanntesten Raumschiffcrew bekannt, sondern auch dafür, zum Volk der Vulkanier zu gehören.

Hier werfen wir nun den zweiten Part des heutigen Titels in den Raum: Vulkanwappen. Das Emblem des Volkes von Spock ist gewissermaßen genau das: ein Wappen des Planeten Vulkan. Seinen Namen verdient die Heimat des spitzohrigen Offiziers, wie man es sich denken kann, der vulkanischen Aktivität. Diese formte auf Spocks Welt die dominierenden heißen Wüsten und schroffen Felslandschaften. Doch was hat das Alles nun mit Mittelamerika zu tun?

Dort gibt es auch Vulkanwappen. Die schmale Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika ist seit jeher von starkem Vulkanismus aufgrund tektonischer Bewegungen geprägt, denn vor der Pazifikküste im Westen schiebt sich die Cocosplatte unter die Karibische Platte. Feuerspeiende Berge zählen demnach zu den Haupterkennungsmerkmalen Mittelamerikas und einige Male hinterließen die verheerenden Folgen von Eruptionen in dieser Region bereits ihren Fußabdruck in der Geschichte.

Vulkankette in der guatemaltekischen Sierra Madre

Die uralte Verbindung Mittelamerikas zu Vulkanen spiegelt sich auch in den Wappen der hiesigen Staaten wieder. Im Jahr 1821 erklärten die heutigen Nationen Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica ihre Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Spanien. Nach einem zweijährigen Intermezzo unter der Herrschaft des Kaiserreichs Mexikos erlangten sie als Zentralamerikanische Konföderation endgültig ihre staatliche Souveränität. Belize und Panama, die geographisch betrachtet auch zu Mittelamerika gehören, standen bis 1981 unter britischer beziehungsweise bis 1903 unter kolumbianischer Kontrolle, waren also nicht teil dieses Staatenbundes.

Die Zentralamerikanische Konföderation führte eine horizontal dreigeteilte, blau-weiß-blaue Flagge, in Anlehnung an die argentinische Nationalfahne. In der Mitte prangte ein Wappen, in welchem an prominenter Stelle eine Gebirgskette bestehend aus fünf Vulkanen platziert war. Dies war die Geburtsstunde der Vulkanwappen. Als sich im Jahr 1840 die Zentralamerikanische Konföderation auflöste und die heutigen fünf Staaten der Region daraus hervorgingen, übernahmen diese das Konzept der Vulkanwappen. Guatemala änderte später sein Emblem, doch die anderen Länder führen noch heute die berüchtigten Berge in ihren Wappen.

Allerdings sind diese nur als grüne Hügel dargestellt, lediglich im Fall von Costa Rica deuten die Rauchfähnchen über den drei Gipfeln auf vulkanische Aktivität hin. Über dem einsamen Berg im honduranischen Wappen leuchtet eine glühende Abendsonne und die jeweils fünf Vulkane von El Salvador und Costa Rica haben, ganz nach dem Vorbild der Zentralamerikanischen Konföderation, eine rote Jakobinermütze über sich.

Die mittelamerikanischen Wappen: Zentralamerikanische Konföderation (Mitte), Honduras (oben links), El Salvador (unten links), Nicaragua (oben rechts) und Costa Rica (unten rechts)

Diese Kopfbedeckung galt in den Unabhängigkeitskriegen auf dem amerikanischen Kontinent als Freiheitssymbol. Schließlich braucht jede gute Bewegung ein schneidiges Erkennungsmerkmal und während sich die zentralamerikanischen Rebellen mit roten Mützen durch rauchende Vulkane kämpften, heben Spocks Kumpanen lässig die Hand, spreizen die Finger und wünschen sich gegenseitig, lang und in Frieden zu leben. So ganz passt der ernste Wissenschaftsoffizier mit strengem Haarschnitt und eiserner Mine dann doch nicht in das aufgeweckte Mittelamerika, da hilft auch die gemeinsame Verbindung zu Vulkanen nicht.

Christopher stammt von den Hängen des Erzgebirges, suchte jedoch beizeiten das Abenteuer in der großen Stadt. Seit Kindertagen interessiert er sich für die Länder, Kulturen und Sprachen dieser und anderer Welten. Heraus kamen ein Ethnologie-Studium in Leipzig, die Begeisterung für Tolkiens Werke und ein Plüsch-Chewbacca auf der Couch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.